Am Vormittag ist Reinold an der Schule, um Bau und Funktionsprinzip von Lehmherden zu diskutieren. Nachmittags wird wieder gearbeitet. Learning by doing ist eines der RDO-Prinzipien.

Um die Wirkung eines Kamins zu zeigen, wird am Morgen ein Abzugsrohr aus Blech gefertigt.

Wichtigster Teil eines Herdes ist der Kamin. Das Wesen des Kamins ist es, einen Luftzug zu erzeugen, der Ofen muss ziehen. Durch die aufsteigende heiße Luft wird frische Luft (und damit auch Sauerstoff) angesaugt, diese facht den Ofen an, die Rauchgase entweichen über den Kamin. Das lässt sich mit einem Ofenrohr, das über ein offenes Feuer gehalten wird, am besten zeigen. Der Versuch hat für ein ordentliches AHA-Erlebnis gesorgt.

Heute war ich wieder einmal Lehrer. Es hat mir richtig Freude bereitet, den Studenten das Wesen eines Ofens/Herdes beizubringen. Vor drei Tagen hatten wir die Praxis, heute folgte die dazugehörende Theorie.
Bei unserem letzten Aufenthalt vor 1,5 Jahren haben wir eine Umfrage gemacht, wie die Menschen hier kochen. 65% nutzen Holz, das gibt es hier eigentlich in ausreichendem Maße, auch wenn es manchmal ziemlich weit getragen werden muss. 25% verwebden Holzkohle. Holzkohle ist hier weit verbreitet und wird in größeren Mengen erzeugt. Das ist vom Klimastandpunkt problematisch. 10% kochen mit Gas. Erdölprodukte spielen keine Rolle.

Von Hannes Thaler, der ab morgen hier unser syntropisches Agroforstprojekt betreut, haben wir den Plan für einen einfachen Herd erhalten. Das Problem ist weltweit verbreitet. So war der Plan in französischer Sprache, manche Schriftzeichen und die dargestellten Personen hatten aber indische Wurzeln.
Wir haben mit Edi Muther bei LehmTonErde nach diesem Plan einen Prototypen gebaut. Dieser kann übrigens gegen einen Spendenbeitrag erworben werden. Er funktioniert tadellos.

„Falsche Luft“ oder Fehler beim Ofenbau stören diesen Luftzug und sind unter allen Umständen zu vermeiden. So müssen die Töpfe das Feuerloch dicht abschließen und die Luft muss sich grundsätzlich aufwärts bewegen.
Am Nachmittag wäre dann der Bau eines weiteren Herdes geplant gewesen. Leider gibt es momentan durch die nasse Witterung keine oder nur wenige rohe (ungebrannte, aber getrocknete) Lehmziegel. So waren wir gezwungen, einen nur unzulänglich funktionierenden Herd umzuplanen. Wir verschlossen nicht nötige Öffnungen und montierten probeweise unser Ofenrohr von der vormittägigen Theorieeinheit.

Der Erfolg zeigte sich augenblicklich. Wir werden morgen einen neuen Kamin einbauen und hoffen, diesen Patienten damit geheilt zu haben.