Nachdem wir in den letzten zwei Wochen v. a. über Syntropische Agroforstwirtschaft und den Herdbau berichtet haben, widmen wir uns zum Schluss ganz dem E-Schlepper. Heute: bisherige Geschichte, ein paar Hintergründe und neue Entwicklungen.

Seit eineinhalb Jahren hat die RDO drei elektrisch betriebene (Straßen-)Fahrzeuge im Pilotbetrieb.
Schon 2024 wurde der Wunsch geäußert, einen Schlepper für Pflügarbeiten und Transporte in sehr unwegsamem Gelände einzusetzen. Um die Menschen von der sehr anstrengenden Arbeit zu entlasten und auch, um Brandrodung einzudämmen. Solche „Powertiller“ werden zig-1000fach in Tansania eingesetzt, alle mit Diesel-Motoren. Fast.

Drei Studenten der FH-Vorarlberg, Daniel, Markus und Philipp, waren für die Entwicklung eines E-Antriebs zu gewinnen. Im Juni 2025 fuhr REB.OX 1.0 in Fontanella.
Der Antrieb sollte dann nach Tansania geschickt werden. Doch der Besitzer gab ihn nicht mehr her. Also fährt der Rapid-Schlepper, Bj. 1950, jetzt eben elektrisch weiter. Irgendwo zwischen Fontanella und der Türtsch-Alpe.

„Die 3“ entwickelten einen neuen Antrieb, diesmal etwas stärker mit 10 kW-Motor und 2 Wechselakkus zu je 7,5 kWh.
Und zu unserer Freude integrierten sie den Antrieb selbst vor Ort in Mdabulo in einen (motorlosen) Schlepper.

Nach vier Tagen (und langen Nächten, weil’s ja noch anderes zu reparieren und viel zu erklären gab) war es geschafft. Der E-Schlepper fährt mit Pflug, anderen Anbaugeräten …

… oder mit Hänger.
Vor allem seit Beginn der Regenzeit Ende November 2025 ist das Fahrzeug oft im Einsatz. Wir haben vereinbart, dass RDO regelmäßig Betriebsdaten, technische Probleme und Änderungswünsche an das Entwicklerteam übermitteln. Nachdem das Fahrzeug bisher sehr viel besser als das Führen des Logbuchs geklappt hat, hat Reinold auch das noch organisiert.

Doch was bringt ein E-Schlepper den Menschen in der kleinbäuerlichen Gegend? Warum machen wir diese Projekte? Mit dem Einsatz solcher Fahrzeuge will die RDO u. a. eine ganze Reihe der UN-Nachhaltigkeitsziele anstreben.



In den Tropen Afrikas sind große Gebiete nicht landwirtschaftlich erschlossen. Die RDO lehrt seit Anbeginn nachhaltige Anbaumethoden. Viele Arbeiten sind aber ohne mechanische Unterstützung kaum zu bewerkstelligen, Waren müssen von den Feldern in die Dörfer und zu den Märkten transportiert werden.
Syntropische Agrokultur und die Nutzung solcher Schlepper sind weitere Mittel zu einer sicheren und stabilen Lebensmittelherstellung.


Wasserholen und Feldarbeit sind zeitintensiv und werden vor allem von Frauen erledigt. Wie die Wasserprojekte adressieren auch die E-Mobilitätsvorhaben vor allem darauf, Frauen (und oft auch Kinder) bei diesen schweren körperlichen Tätigkeiten zu entlasten. Frauen können ihre Zeit nutzbringender verbringen. Für Kinder muss der Schulbesuch immer oberste Priorität haben.
Wir haben eine Fläche von 30 x 7m in 25 Minuten umgepflügt (davon 10 Min Stehzeit), von Hand braucht eine Person dazu 3 Tage. Dabei war der Boden sehr nass und tief.


Was kostet ein E-Schlepper im Vergleich zu einem dieselbetriebenen?
Die Anschaffungskosten betragen beim Diesel-Fahrzeug ca. USD 3000, der E-Schlepper wird (als Serienfahrzeug) etwas, aber nicht viel mehr kosten. Genau steht das noch nicht fest.
Die Energiekosten betragen beim E-Schlepper 90% weniger als beim Diesel. Im Detail:
- Diesel: 1.2 l/h * USD 1,0/l = USD 1.2/h
- BEV: 1.5 kWh/h * USD 0,09 p kWh = USD 0,14/h
Bei ca. 500h Betrieb spart das batterieelektrische Vehikel (BEV) also mehr als USD 500 pro Jahr. Darüber hinaus sind auch die Wartungskosten geringer. Auch wenn die Fahrzeuge über in Tansania verbreitete Leih- oder Sharing-Modelle geteilt werden, sind die Kosten für den Gebrauch günstiger. Das haben ganze Flotten an E-Motorrädern in den Städten schon bewiesen.


Hochwertige Bildung auch in ländlichen Regionen ist der Schlüsselfaktur für die Entwicklung einer Region.
Der Know-how-Transfer, der mit dem Zusammenbau und Betrieb des Schleppers einhergeht, bereichert Ausbildung und Berufschancen für junge Menschen. Die RDO will zu einem regionalen Zentrum für nachhaltiges Wirtschaften werden. Dazu werden gerade Aufbaulehrgänge in den Fachrichtungen Erneuerbare Energien, IT und Elektrotechnik/Elektronik eingerichtet.


Und was bringt’s fürs Klima?
Ein Diesel-Schlepper (300 kg incl. Motor u Getriebe) verursacht in der Herstellung etwa 1,5t CO2e (CO2-Äquivalente).
Der E-Schlepper (ohne Akku 180 kg, da Motor und Getriebe sehr viel leichter sind): 0,9 t CO2e. Der Akku (7,5 kWh LiFePO4) schlägt nochmals mit 0,4 t CO2e zu Buche. Schon bei der Herstellung benötigt der E-Schlepper mit 1,3 t also knapp weniger CO2e als der Diesel-Bruder.

Bei angenommenen 500 Stunden Betrieb im Jahr verursacht der Diesel-Antrieb 1,5 t, der E-Schlepper 700 kg (Tansanischer Strommix) oder gar nur 90 kg bei der RDO (weil dort der Schlepper zu 90% aus Solarenergie gespeist wird). Die jährliche Einsparung an Treibhausgasen liegt also (für RDO oder ähnliche Organisationen) bei ca. 1,4 t CO2e.

Der Bedarf an der Produktion vieler solcher Schlepper, wie wir jetzt einen im Pilotbetrieb haben, ist also da.
Und damit zurück zu den drei jungen Entwicklern aus Vorarlberg. Sie sehen die Notwendigkeiten und auch das Potential. Und sie sind dabei, einen verbesserten Schlepper, die Produktionsanlagen und vieles mehr Realität werden zu lassen.

Lokale Produktion & soziale Wirkung
Hier entfaltet sich die echte Wirkung. Statt fertig montierte Fahrzeuge zu verschiffen, sollen solarbetriebene Mikrofabriken gebaut werden. Lokale Techniker schweißen die Stahlrahmen und montieren die Fahrzeuge direkt vor Ort. Das schafft langfristige technische Arbeitsplätze, hält das Know-how in der Gemeinschaft und macht diese Technologie wirtschaftlich leistbar.

Eine kompakte Off-Grid-Servicestation mit Solar-Überdachung, die als zentrale Wartungswerkstatt, Batterietausch-Depot und lokale Stromquelle für die Gemeinschaft dient. Incl. Multi-Slot-Ladestation mit bidirektionalem Wechselrichter, die sowohl die Traktorflotte versorgt als auch die Energieversorgung der Gemeinschaft sicherstellt.
Viel mehr dazu hier.

Im nächsten Beitrag werden wir berichten, ob die hochgesteckten Erwartungen an unseren E-Schlepper auch im Betrieb erfüllt werden können.